Basstard, dein letztes Soloalbum wurde vor mittlerweile fünf Jahren veröffentlicht. Am 27. Juni erscheint endlich das neue Werk „Zwiespalt (Grau)“. Was hat sich für dich in diesen fünf Jahren in musikalischer Hinsicht verändert und warum ist bis „Zwiespalt (Grau)“ soviel Zeit vergangen?
Ich bin ein Perfektionist. Früher war ich keiner, früher bin ich sehr spontan an die Musik rangegangen. Ich habe kaum nachgedacht, bevor ich einen Track gemacht habe, worum sich der Titel handeln soll oder Konzepte, wie z.B. bei „Redröm“ vom „Verdammt“-Album, ausgearbeitet. Seit „Obscuritas Eterna“ hat sich das immer stärker geändert. Ich bin mit dem Ziel ans nächste Album gegangen, dass es sich vom letzten stark abheben und neue Facetten zeigen muss. Damals hab ich mir absolut keinen Kopf gemacht um guten Flow, mehrsilbige Reime oder sowas. Im Gegenteil, ich hab mich sogar über die Leute lustig gemacht, die sich zu stark an Technik klammern. Das hat sich geändert. Ich klammer‘ mich zwar nicht an Technik, aber habe inzwischen riesigen Respekt vor Leuten wie Savas, weil ich jetzt nachvollziehen kann, dass hinter diesem Technikwahn eine Menge harter Arbeit steckt. Inhalte sind mir nach wie vor wichtiger, aber guter Inhalt kombiniert mit guter Technik und gutem Flow ist jetzt mein neuer Standard. Mein Musikgeschmack hat sich auch geändert, ich war damals verrückt nach Memphis-Rap. Bin ich zwar teilweise immer noch, aber ich ziehe mir inzwischen auch sehr gerne Sachen wie Tech N9ne rein, weil der eben eine unfassbar krasse Technik besitzt, oder sogar Lil‘ Wayne, weil er es versteht mit seiner Stimme zu spielen und so eine Atmosphäre bzw. Spannung aufzubauen, die seinesgleichen sucht. Einerseits finde ich es etwas Schade diese Spontaneität nicht mehr so extrem auszuleben, aber andererseits ist das ein Schritt, den ich gehen musste, um besser zu werden und um mich von der immer größer werdenden Horrorcore-Szene in Deutschland weiterhin abzuheben und meine Vorbildfunktion beizubehalten. Es geht immer weiter und ich schlafe nicht. Ich bin ab und zu nur in der Verpuppungsphase.
Die Gründe, weshalb „Zwiespalt“ solange hat auf sich warten lassen, sind aber andere. Ich hab ja lange Zeit damit verbracht, mich um einen anderen Künstler zu kümmern. Ihr kennt ja die Geschichte, deshalb werde ich jetzt nicht weiter darauf eingehen. Auf jeden Fall hatte ich in dieser Zeit kaum die Möglichkeit mich um meine eigene Produktion zu kümmern. Ich hatte dann mit der Zeit schon viele Songs gesammelt, aber war erst einverstanden damit ein neues Solo rauszubringen, als ich wusste, dass Zwiespalt „Weiß“ in die richtige Richtung geht. Dieses Album lag mir sehr am Herzen, es sollte den ganzen Ungläubigen da draußen zeigen, dass ich mehr draufhabe als stumpfen Schlachterrap, dass ich neben Horror auch andere Themen aufgreifen kann. Reale Themen und das besser als viele andere, die sich authentisch schimpfen. Jetzt ist es fast fertig und ich habe endlich wieder den Kopf frei für mein Lieblingsthema: „Schwarz“.
„Grau“ ist ein einfacher Querschnitt. Das Album zeigt, was ich in den fünf Jahren so für „Zwiespalt“ gemacht habe, hat „Weiße“ und „Schwarze“ Facetten und ist daher extrem abwechslungsreich.
Du hast eben den von dir unterstützten „anderen Künstler“ angesprochen. Auch, wenn du nicht weiter auf die Geschichte um Massiv eingehen möchtest, stellt sich die Frage, ob du, angesichts der Chartplatzierungen, die Massiv im letzten Jahr erreichen konnte, eine Bestätigung deiner Vorarbeit siehst?
Naja, Chartplatzierungen bedeuten ja heutzutage nicht mehr soviel wie früher. Man kommt ja schon mit 2000-3000 gescannten CDs in die Top 100. Wenn mein Album überall von Media Control erfasst werden würde, wäre ich jetzt auch gechartet. Aber wir verkaufen ja auch viel an reguläre Hip Hop Shops, bei denen die verkauften CDs nicht gezählt werden.
Natürlich ist die Medienpräsenz nicht zu leugnen und da kann ich mir und den andern, die ihn da unterstützt haben, schon auf die Schulter klopfen. Den Startschuss dafür gab ja das „Ghettolied“-Video. Natürlich hab' ich mit den neueren Berichten bei Spiegel TV und so nichts mehr zu tun. Es hat ja schon ein Rapper namens „Pan“ darauf hingewiesen, dass ein gewisser Verlag da die Fäden zieht. Aber im Großen und Ganzen, haben wir schon sehr gute Arbeit geleistet und werden das auch weiterhin so machen. Das ist nämlich ein großes Problem von mir. Wenn ich mich um die Promotion für mein eigenes Album kümmern soll, mach ich das ziemlich gezwungen und ringe mich dann da durch. Aber wenn es darum geht einen anderen Künstler zu fördern, bin ich gleich Feuer und Flamme. Das macht mir irgendwie mehr Spaß.
Du bist für deine morbiden Horrorcore-Songs bekannt. Was können die Fans von deinem neuen Album erwarten?
Klar, die düsteren Weltuntergangsszenarien fehlen bei „Grau“ nicht. „Endzeit“ ist definitiv einer meiner Favoriten, genau wie „Kinder des Zorns 2“ - das ist Basstard wie er leibt und lebt.
Ich finde die Produktionen sind einfach besser geworden. Obwohl viele verschiedene Produzenten an dem Album beteiligt waren, habe ich immer versucht einen gewissen Standard zu halten und habe auch auf geile Beats, die mir persönlich gefallen haben, verzichtet, wenn der Sound nicht mit den anderen Sachen mithalten konnte. Inhaltlich hat sich auch einiges getan. Neben den gewohnt finsteren Horror-Themen, mache ich auch witzige, politische oder persönliche Songs, was ja früher komplett gefehlt hat. Ich hab mein Spektrum erweitert kann man sagen, aber finde natürlich immer wieder zurück dahin, wo ich hergekommen bin - aus der verdammten Hölle!
Sozialkritische Texte kennt man bei dir zum Beispiel durch das Stück „Ihr glaubt nicht an Horror“, das auf dem Album „Verdammt“ zu hören ist. Mit welchen politischen und gesellschaftlichen Themen setzt du dich auf ‚Zwiespalt“ auseinander?
Vor allem der Song „Hört Zu!“ ist sehr sozialkritisch. Da geht es um die Vorratsdatenspeicherung, die unser Senat im Eiltempo durchgepeitscht hat. Es ist eine Riesenschande, dass die Leute weder die Chance hatten sich dagegen aufzubäumen, noch sehr viel Interesse daran bestand, dies zu tun. Ich glaube, man wird sowieso erst in 5- 10 Jahren merken, worauf man sich da eingelassen hat. Im Moment denken die Leute vielleicht: „Naja, ich bin ja nicht kriminell, also kann mir das egal sein, wenn meine Kontakte und geführten Gespräche gespeichert und abgehört werden.“ Aber wenn in Zukunft immer klarer wird, dass alles was man sagt durchsichtig ist, wird man definitiv eingeengt. Ich würde mal sagen, dass ein Beamter dann nicht mehr einfach so seine politische Meinung vertreten wird, wenn er dafür Probleme am Arbeitsplatz bekommen könnte. Es ist soweit: Freiheit Ade. Hallo Überwachungsstaat.
Du hast auf deinem Album erneut Künstler wie Sicc und Schlafwandler gefeaturet. Diesmal sind aber auch prominente Rapper wie Sido, Harris, Hengzt, Prinz Pi und Tarek von K.I.Z. auf deinem Album zu hören. Waren dir bei deinem neuen Studioalbum die Features wichtiger als auf deinen früheren Releases?
Ja, das kann man schon sagen. Damals war das eher ein Atzen-Ding. Wer gerade im Studio gechillt hat, ist mal eben schnell auf den Song raufgekommen. Jetzt mach ich mir Gedanken mit wem, welcher Song am Besten passen würde - und diesen Unterschied hört man auch. Inzwischen chillen auch keine Leute mehr im Studio, wenn gearbeitet wird. Es herrscht absolute Konzentration.
Jegliche Ablenkung ist der Tod für einen guten Song. Man muss in der Musik versinken und wenn man immer wieder auftaucht, weil irgendjemandem gerade ein Witz eingefallen ist, ist das zwar lustig, aber nicht arbeitsfördernd. Übrigens hat die Prominenz meiner Albumgäste nicht viel zu sagen. „Besessen“, der Song mit Tarek, ist zum Beispiel entstanden als Tarek noch ziemlich unbekannt war, ich wollte ihn eigentlich mit dem Feature fördern, weil ich sein Talent erkannt und seinen Style gefeiert habe. Inzwischen brauche ich das aber nicht mehr. Mit Hengzt wollte ich schon seit Jahren mal einen gemeinsamen Song machen. Wir haben ja früher schon zusammen gearbeitet, aber halt noch nie für mein Soloalbum. Sido und Harris sind natürlich die ungewöhnlichsten Featuregäste für ein Basstard-Album. Das kam daher, dass ich das gemeinsame Album der beiden extrem gefeiert habe. Vor allem den Storyteller über diesen Pädophilen. Der Track hatte mich echt umgehauen, weil er so hart und gleichzeitig so unterhaltsam war, was ja sowieso Sidos große Stärke ist. Außerdem war das Feature ein kleiner Vorwand, damit Massiv die beiden kennenlernt und mit ihnen arbeiten kann. Der Song ist wirklich nicht mein Style. Abgesehen davon, dass ich seit einiger Zeit nicht mehr kiffe, war ich auch nie jemand, der den Konsum von Drogen verherrlicht hat, im Gegenteil. Aber in dieser Zeit habe ich wirklich viel geraucht und hielt es nicht für nötig den Leuten irgendwas vorzumachen, was ich selber nicht einhalte.
Wenn man sich Sido herausgreift, fällt auf, dass ihr sehr unterschiedliche musikalische Stile verfolgt. Wie kamst du auf die Idee, ihn mit auf das Album zu nehmen und wie kann man die Zusammenarbeit mit ihm beschreiben?
Ich kenne ihn ja von früher als er noch mit B-Tight in der kleinen Ranzwohnung im Wedding gewohnt hat. Aber ich bin eigentlich nie auf die Idee gekommen, ihn mal nach einem Feature zu fragen, obwohl ich seine Art zu rappen sehr verehre. Keiner schafft es, auf so einem schmalen Grad Humor und harte Realität auf eine Linie zu bringen. Aber wie du schon sagst, die Musik hat zu starke Unterschiede. Den Anstoß doch mal was mit ihm zu machen, gab mir wie gesagt Massiv. Am selben Tag hat Sido noch Massivs Hook für sein Album aufgenommen. Und zugesagt, dass er beim Videodreh zu „Ghettolied“ am Start wäre. Dennoch ist ein ziemlich cooler Song entstanden, aber nächstes Mal, würde ich doch eher was Düsteres machen wollen. Auch wenn es schwer vorzustellen ist, dass Harry oder Siggi Geister beschwören und mit Dämonen ringen. Hmmm, vielleicht ja doch.
Du arbeitest häufig mit DJ Korx zusammen. Wer hat sonst an dem Album mitgewirkt?
DJ Korx hat leider ziemlich wenig auf dem Album gemacht, aber das, was er gemacht hat, ist natürlich der absolute Kracher. Der Titelsong ist von ihm und den hab ich nicht umsonst als erstes auf dem Album. Ansonsten ist die Liste der Produzenten ziemlich lang: Von Flash Gordon, Woroc, Machone, Frauenarzt, Djorkaeff und Beatzarre bis hin zu eher unbekannteren Produzenten wie Datz Heat, High Hat, F.A.K und Mehdie haben wir echt Granaten von Beats bekommen für das Album. Danke nochmals an alle, die mitgewirkt haben. Es gibt inzwischen so krass viele gute Produzenten, dass ich gar keinen Bock darauf habe, selber zu Produzieren, obwohl ich gerade erst damit angefangen habe, wie ihr auf dem neuen Album auch hören könnt. Da sind zwei Beats von mir selber und ich glaube die Leute werden die beiden Songs auch extrem feiern.
„Zwiespalt (Grau)“ soll der erste Teil einer Trilogie sein. Wann kann man mit den beiden Fortsetzungen rechnen?
Also ich bin gerade dabei „Schwarz“ zu machen. Ich habe alle älteren Songs dafür erstmal weggelegt, um komplett neu anzufangen, einfach weil ich ein leeres Blatt haben wollte, das ich neu beschriften kann. Und ich merke, das war eine gute Entscheidung, weil ich mich jetzt besser auf das gesamte Ding konzentrieren kann. Ich kann es jetzt besser auf einer Linie halten und das war mir bei dem Album sehr wichtig. „Weiß“ ist so gut wie fertig. Ich glaub sogar das hat schon Überlänge, aber besser zu viel als zu wenig. Es fehlen nur noch einige Feinheiten. Allerdings will ich „Schwarz“ vor „Weiß“ veröffentlichen, ich kann also nicht mit Bestimmtheit sagen, wann das Nächste kommt, da eines von dem anderem abhängt. Eines kann ich aber sagen: Das wird definitiv keine fünf Jahre dauern!
Worin wird der Unterschied zwischen den einzelnen Teilen der Trilogie liegen?
„Schwarz“ wird das wütendste und böseste Album, das ich je gemacht habe. Es wird den Horrorstyle revolutionieren. „Weiß“ das Kraftvollste und Positivste. Es wird den Leuten da draußen zeigen, wer ich wirklich bin und wie ich wirklich denke, ohne Schnörkel oder Verfälschungen. „Grau“ ist ein Mischalbum. Es hat zwar beide Facetten in sich, aber besitzt nochmal einen ganz eigenen Touch. Songs, die weder richtig „Schwarz“ noch „Weiß“ waren, haben den Weg auf „Grau“ gefunden. Dieses Album zeigt alle meine Seiten in einem Ding.
Du hast vor einigen Jahren dein eigenes Label „Horrorkore Entertainment“ gegründet. Wie weit hat sich das Label seit der Gründung entwickelt?
Es nimmt immer professionellere Formen an. Als das Label in den Kinderschuhen steckte, war es allein mein Ding. Ich hab alles alleine gemacht. Von der Business-Planung bis hin zum Organisatorischen und Musikalischen. Inzwischen sind mehr Leute beteiligt, es ist eine kleine Familie, in der man sich gegenseitig unterstützt und für ein gemeinsames Ziel kämpft, und das gefällt mir persönlich viel mehr. Ich war ehrlich gesagt nie so der krasse Einzelgänger und in diesem Geschäft ist das auch unmöglich, wenn du Erfolg haben willst. Du brauchst einen fähigen Grafiker, gute Produzenten, Leute, die sich ums Geschäftliche kümmern. Natürlich muss man den Überblick bewahren und sich in allem einbringen, damit alle an einem Strang ziehen, aber wenn du komplett alles alleine machst, wie willst du dich dann noch um gute Musik kümmern?
Könntest du einen Überblick, über den aktuellen Künstler-Kader deines Labels, geben?
Yo, also Hausproduzent ist DJ Korx. Außerdem arbeiten wir zurzeit sehr eng mit einem Produzenten-Duo namens High Hat zusammen. Die haben auch Songs auf „666“ und „Zwiespalt (Grau)“ produziert und haben es meiner Meinung nach echt drauf, richtige Bretter zu bauen. Wir haben auch geplant einen Sampler/ Produzentenalbum unter Horrorkore zu veröffentlichen, um die Jungs mal etwas in den Vordergrund zu rücken. Dann gibt es drei neue Rapper: Medizin Mann, der auch bei der „Schluss mit Lustig“-Tour mein Back-Up war - und schon lange Zeit mein absoluter Top-Atze ist. Also, wir beide sind echt unzertrennlich. Ich hänge jeden Tag mit ihm rum und wir erledigen alles, was gemacht werden muss zusammen. Er ist auch einer, der sehr motiviert und ehrgeizig an die Sache rangeht und ich denke mal, dass er sein Debüt-Album sehr bald fertig stellen wird. Adden, wahrscheinlich Deutschlands schnellste und kontroverseste Rapperin und außerdem Horrorkore Aushängeschild für weiblichen Horrorrap der extremen Art, und das Überkrasse Ausnahmetalent Sheytan. Der Junge ist gerade mal 17 Jahre alt und sieht nicht nur aus wie ein Berserker, er rappt auch so. Ich hab noch nie jemanden gesehen, der in so frühen Jahren so gute Reime und so krassen Flow unter einen Hut bringt, ohne dabei wie ein Dipset-Abklatsch zu wirken.
Der Typ hat definitiv seinen eigenen Style und ich denke mal wenn wir sein Solo in Angriff nehmen, könnt ihr euch auf ein richtig böses Album freuen. Ich sag nur Gossik!
„Aggro Berlin“ ist vor einigen Monaten einen Deal mit dem Major-Label Universal eingegangen. Ist eine derartige Zusammenarbeit eine Option für dich?
Naja, eine Option wäre das schon - aber nicht das Ziel. Ich liebe und lebe den Untergrund-Gedanken nach wie vor. Ich arbeite und teile meinen Gewinn lieber mit meinen Atzen, als mit irgendwelchen alten Säcken, die so tun und reden als ob sie 18 wären, um cool zu wirken und dazuzugehören, wobei sie keine Ahnung von der Szene haben. Solange du Gewinn machst, sind die auf deiner Seite, aber wenn du floppst, lassen sie dich fallen wie faules Obst. Meine Atzen halten zu mir. Egal, ob mein Album chartet oder nicht. Natürlich hör’ ich mir Angebote an und wenn eines dabei ist, dass nicht nur mir, sondern auch meinen Leuten die Möglichkeit bietet, sich einen Platz in der Musiklandschaft zu sichern, kann ich mir das eventuell vorstellen, anders aber nicht.
Du gilst als Begründer des deutschsprachigen Horrorcores. Wie siehst du die Entwicklung des Genres in Deutschland?
Ich sehe immer mehr wie sich eine eigene Szene bildet. Die Schwarz trägt, anstatt bunte Hip-Hop-Klamotten, die düstere Mucke hört und macht, anstatt den „Ich rappe besser als du und ficke deine Mutter“-Standard-Scheiß - und das macht mich verdammt stolz. Auch wenn sich diese Szene noch im Aufbau befindet und deren Musik noch nicht sehr weit entwickelt ist, sehe ich, dass es wächst und gedeiht. Ich hoffe, dass wir uns irgendwann mal komplett abschotten und eine eigene Community bilden. So könnte sich der Stil immer schneller weiter entwickeln und man kann krasser Gedanken und Ideen austauschen. Zu diesem Zweck werde ich in den nächsten Jahren auch einen fetten Sampler, der alle legitimen Künstler dieses Genres repräsentiert, machen. Und ich kriege jetzt schon haufenweise Songs von Leuten, die sich einbringen wollen.
Glaubst du, dass sich Horrorcore-Künstler in Zukunft auch auf den Musiksendern präsentieren werden?
Das ist eine schwierige Frage. Wenn überhaupt, dann nur, wenn man es schafft so groß zu werden, dass die Sender merken, dass es anders gar nicht mehr geht. Potenzial ist auf jeden Fall vorhanden. Man muss ja nicht einen extrem gewaltverherrlichenden Song beim Sender abgeben - das würde eh keinen Sinn machen. Aber Horrorcore ist ein weiter Begriff und es gibt viele Möglichkeiten den Stil auszuleben. Wenn man eine leichter zu verdauende Methode hat, als „Gliedmaßenverstümmelungsrap“, dann ist es durchaus möglich auch eine größere Zahl von Hörern zu erreichen und somit wird auch der Weg zu den Sendern frei. Wenn man zum Beispiel den Track „Ich Bin!“ vom neuen Album nimmt und dazu ein Video à la Nosferatu dreht, hat man einen extrem unterhaltsamen Song, der mehr als gruselig ist, aber keinerlei oder kaum Gewalt beinhaltet. Horror ist eine Unterhaltungssparte, das darf man nicht vergessen. Und wenn Die Ärzte das benutzen, warum dann wir nicht? Wir können das um Weiten besser!
Das Interview wurde geführt von Dominik aka Lipstar